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Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) – Bienenweide. Zierpflanze. Invasive Art.

3. Apr. 2025
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.

Die Kanadische Goldrute ist in Mitteleuropa mittlerweile eine der am weitesten verbreiteten gebietsfremden Pflanzenarten. Sie bildet dichte Bestände auf offenen und gestörten Flächen, breitet sich aber auch in für den Naturschutz relevanten geschützten Lebensräumen wie Feuchtwiesen oder Magerrasen aus und kann dort zur Verdrängung der heimischen Vegetation und seltenen Tier- und Pflanzenarten führen. Aufgrund dieser Problematik wird sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz als invasive Problempflanze betrachtet und an entscheidenden Stellen bekämpft.


großer Bestand der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) mit gelben bluehenden Koerben

Herkunft und Geschichte der Kanadischen Goldrute

Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) ist eine mehrjährige Staude aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammt, wie ihr Name bereits vermuten lässt, ursprünglich aus Nordamerika [1]. Bereits im Jahr 1645 wurde die Art als Zierpflanze nach Großbritannien eingeführt und kam über botanische Gärten und herrschaftliche Sammlungen schließlich nach Mitteleuropa, wo sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts verwildert. Kultursorten sind auch heute noch in einigen Privatgärten und Blumenrabatten zu finden und wurden lange Zeit von Imkern gerne als Bienenweide gepflanzt [2].


Stark verzweigte Korbstaende der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis)
Stark verzweigte Korbstände der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis)

Wie erkenne ich die Kanadische Goldrute?

Die Kanadische Goldrute ist eine mehrjährige Staude und ein Pionier auf offenen und gestörten Flächen (z.B. Brachen, Straßenbanketten und Bahntrassen). Wie bei allen Korbblütlern sind die Blüten in Körben zusammengefasst, die auf den ersten Blick wie einzelne Blüten erscheinen. Die unzähligen Körbe sind wiederum Teil eines rispigen (stark verzweigten) Korbstandes.


» bis zu 20.000 Samen pro Blütenstand «


Die Goldrute bildet auf bis zu zweieinhalb Meter hohen unverzweigten Trieben eine große Anzahl sehr kleiner Körbe mit gelben Blüten. Die Kanadische Goldrute blüht von August bis Oktober. Im Spätherbst reifen bis zu 20.000 Samen pro Blütenstand, welche mit dem Wind weit verbreitet werden und auf offenem Boden sehr schnell keimen.


Die Blätter sind breit lanzettlich, meist deutlich gesägt, und auf der Oberseite rau. Die Zwischenräume zwischen den Blattnerven sind deutlich hervorgewölbt. Die Stängel sind grün und zumindest im oberen Teil dicht kurzhaarig [3].


Die reifen Fruechte der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) werden mit dem Wind verbreitet
Die reifen Früchte der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) werden mit dem Wind verbreitet

Verwechslungsgefahr mit anderen Goldruten

Die Kanadische Goldrute lässt sich vor allem mit der ebenfalls invasiven Späten Goldrute (Solidago gigantea) verwechseln, da sich diese auf den ersten Blick sehr ähnlich sehen. Sie stammt ebenfalls aus Nordamerika, erreichte Europa aber erst 1758, also über einhundert Jahre nach der Kanadischen Goldrute, und wurde ebenfalls zuerst als Zierpflanze und Bienenweide genutzt [2, 4].


Im Gegensatz zur Kanadischen- ist die Späte Goldrute nicht behaart. Die kahlen Stängel besitzen eine blaue abwischbare Bereifung und sind oft rötlich gefärbt. Die Blätter sind ebenfalls breit lanzettlich, teils ganzrandig, und auf der Oberseite glatt. Die Zwischenräume der Blattnerven sind hier, im Gegensatz zur Kanadischen Goldrute, nicht hervorgewölbt. Der Korbstand ist wie auch bei der Kanadischen Goldrute stark rispig verzweigt.


Auch vom Standort her unterscheidet sie sich etwas von der Kanadischen Goldrute. Sie steht eher an frischeren Standorten wie feuchten Hochstaudenfluren und Säumen oder Auwäldern. Gerade in Auwäldern führen die großen Bestände der Späten Goldrute zum Problem [3].


Die Echte Goldrute (Solidago virgaurea), die einzige heimische Art, erreicht im Gegensatz zu den zwei invasiven Goldrutenarten gerade einmal einen Meter. Die Korbstände enthalten deutlich weniger, aber dafür größere Körbe und hängen nicht über. Zu finden ist die Art im mageren Grünland, an Wegesrändern und in lichten trockenen Wäldern [3].

Warum ist die Kanadische Goldrute ein Problem?

Durch ihre große ökologische Anpassungsfähigkeit, von Feuchtflächen bis zu Trockenrasen, besiedelt die Kanadische Goldrute neben gestörten Brachflächen und Straßenrändern auch seltene und besonders schützenswerte Lebensräume, mit eng an diese Flächen angepassten Pflanzen- und Tierarten. Rückzugsräume für die heute selten gewordene Ackerbegleitflora (bzw. Segetalflora von lat. Segetalis = "zur Saat gehörig") zwischen intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen können ebenfalls besiedelt werden und den Biodiversitätsverlust in der Kulturlandschaft weiter verstärken [5].


Durch ihre sehr hohe Konkurrenzkraft verdrängt die Goldrute heimische Vegetation und schafft durch ihre Ausläufer große langjährig bestehende Bestände. Die Art kann auch aus kleinsten Rhizomstücken (unterirdische Sprossachsen) wieder austreiben und so einen neuen Bestand bilden. Besonders die Verschleppung mit Erdaushub, beispielsweise beim Straßen- oder Böschungsbau, oder Gartenabfällen ist häufig. Zudem wurde die Art in der Vergangenheit vielfach von Imkern als Bienenweide gepflanzt und ist bis heute in verschiedenen Sorten im Gartenfachhandel und gelegentlich in städtischen Blumenrabatten zu finden.

Bekämpfung der Kanadischen Goldrute

Die extreme Wuchskraft und hohe Regenerationsfähigkeit der Kanadischen Goldrute in Verbindung mit ihrer massiven Samenproduktion machen die Bekämpfung der Art sehr schwierig. Um die Goldrute erfolgreich einzudämmen, ist mindestens eine zweischürige Mahd (zwei Schnitte pro Jahr), wobei optimalerweise der erste Schnitt Mitte bis Ende Mai und der zweite Anfang August stattfindet, notwendig. Besser sind jedoch drei oder mehr Schnitte. Die Mahd kann bei sehr großen Vorkommen die weitere Ausbreitung verlangsamen, eine effektive Reduktion des Bestandes lässt sich hiermit aber nicht erzielen. Die erfolgreichste Methode der Bekämpfung stellt das händische Entfernen der Pflanzen, mitsamt den Wurzeln, dar. Auch die Beweidung mit Schafen und Ziegen oder der Bodenabtrag sind mögliche Formen des Managements.


» Die erfolgreichste Methode der Bekämpfung stellt das händische Entfernen [...] dar «


Besonders wichtig und oftmals vernachlässigt sind Präventionsmaßnahmen. Goldruten sollten nicht in Privatgärten oder städtischen Grünanlagen zum Einsatz kommen und eignen sich auch für eine zeitgemäße Imkerei nicht als Bienenweide. Da mit vermehrungsfähigen Teilen, besonders unterirdischen, kontaminierter Boden eine besondere Rolle spielt, ist der richtige Umgang mit bekanntermaßen belastetem Material wichtig. Dieses sollte zum Beispiel beim Bau auf den Herkunftsflächen verbleiben und nicht auf anderen Flächen zum genutzt werden.


Die Entsorgung von Pflanzenmaterial ist bei nichtblühenden oder -fruchtenden oberirdischen Pflanzenteilen unproblematisch. Bei unterirdischen oder Samen enthaltenem Material ist mindestens eine Heißkompostierung mit anschließender Hygienisierungsphase notwendig, um die vermehrungsfähigen Pflanzenteile abzutöten [6].

Medizinische Wirkung der Goldrute

Abseits der ökologischen Problematik finden sowohl die heimische Goldrute als auch die zwei neophytischen Arten in der Naturheilkunde Anwendung. Das Goldrutenkraut, in der Pharmazie als Solidaginis herba bekannt, bezeichnet die oberirdischen, getrockneten Teile der drei Goldrutenarten. Sie enthalten verschiedene Inhaltsstoffe (u.a. Flavonoide, Saponine und Phenylglykoside), die harntreibend, schwach krampflösend und entzündungshemmend wirken.


Die Goldrute wird vor allem als Tee bei Harnwegserkrankungen angewendet. Die medizinische Therapie kann zum Beispiel in Form einer Durchspülungstherapie erfolgen. Dabei werden mehrmals täglich Aufgüsse der während der Blüte gesammelten Goldrute getrunken. Wichtig ist hierbei, neben dem Goldrutentee, auch auf eine generell erhöhte Flüssigkeitszufuhr zu achten [7].


Wie der alte Volksname heidnisch Wundkraut es bereits vorwegnimmt, wurde die Echte Goldrute früher auch zur Behandlung offener Wunden genutzt. Im englischsprachigen Raum hat sich der Name Woundwort bis heute gehalten. Die Goldrute wurde demnach früher, entweder in Form eines trockenen Pulvers oder frisch zerstampften Breis, auf offene Wunden aufgebracht [8]. Hierauf beruht auch der Gattungsname für die Goldruten Solidago (von lat. solidus = fest bzw. solidare = zusammenfügen).

Heimische Alternativen zur Kanadischen Goldrute

Eine passende Alternative für den naturnahen Garten bietet beispielsweise die oben bereits erwähnte Echte Goldrute (Solidago virgaurea). Der ebenfalls heimische Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist zwar für den Menschen leicht giftig – wie übrigens viele Zierpflanzen –, bietet aber einer Vielzahl an Tagfaltern und anderen Insektenarten Futter und zeigt zur selben Zeit wie die Goldrute seine schönen gelben Blütenkörbe.


Bluehender Rainfarn (Tanacetum vulgare) mit gelben Körben
Blühender Rainfarn (Tanacetum vulgare)

Fazit

Auch wenn einzelne Stimmen aus Gartenbau und Imkerkreisen den hohen Zierwert und wirtschaftlichen Nutzen der Goldrute weiterhin preisen, so kann von der gezielten Verbreitung der Art aus ökologischer Sicht nur abgeraten werden. In den Blogs großer Online-Pflanzenhändler wird immer noch für die wertvolle Gartenpflanze geworben und in Bezug auf die negativen Auswirkungen invasiver Arten von einem Grundlagenirrtum gesprochen [9]. Auch die Nutzung von zahmen Kultursorten, denen eine geringere Ausbreitungskraft zugeschrieben wird, kommt mit einem unberechenbaren Risiko [10].


Viele Neophyten führen zu keinen bekannten Problemen (z.B. Strahlenlose Kamille, Matricaria discoidea) und fügen sich oftmals problemlos in das Gefüge heimischer Ökosysteme ein beziehungsweise breiten sich gar nicht über urbane Gebiete und die Kulturlandschaft hinaus aus. Ob das Festhalten an bekanntermaßen problematischen Arten wie Goldrute oder Sommerflieder aber angesichts der großen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit und dem fortschreitenden Klimawandel sinnvoll ist, bleibt fraglich.


[1] POWO (2026). Solidago canadensis L. Plants of the World Online. Royal Botanic Gardens, Kew. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:249454-1. Abgerufen am 03.04.2025.

[2] Weber, E. (2013). Invasive Pflanzen der Schweiz: erkennen und bekämpfen (1. Aufl.). Bern: Haupt, S. 66–71.

[3] Hassler, M. & Muer, T. (2022). Flora Germanica: Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild (Bd. 1–2). Ubstadt-Weiher: Verlag Regionalkultur, S. 1484.

[4] Griebl, N. (2020). Kosmos Naturführer – Neophyten. Alle Arten im deutschsprachigen Raum. Stuttgart: Franckh-Kosmos, S. 117.

[5] Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) (2022). Ackerwildkräuter – Gefährdung und Schutz. Infoblatt, 15 S. Online verfügbar unter https://www.lfu.bayern.de/publikationen/get_pdf.htm?art_nr=lfu_nat_00425

[6] Pagitz, K. & Moling, M. (2020). Strategie für Tirol im Umgang mit gebietsfremden Pflanzenarten (Neophyten). Online verfügbar unter https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/neophytenstrategie-des-landes-tirol/

[7] Hoffmann, P. (Hrsg.) (2000). Lexikon der Arzneipflanzen: Wegweiser zur Selbstbehandlung. Genehmigte Sonderausgabe. Rottenburg: Kopp Verlag, S. 82.

[8] Marzell, H. (1935). Neues illustriertes Kräuterbuch. 3., verbesserte Auflage. Reutlingen: Enßlin & Laiblins Verlagsbuchhandlung, S. 470.

[9] Reber, S. (o. J.). Die Goldrute als wertvolle Gartenpflanze – Ein Lob auf die fast verbotenen Goldruten. Lubera Gartenbuch. Online verfügbar unter https://www.lubera.com/at/gartenbuch/ein-lob-auf-die-goldruten-p1976#Die-Verteufelung-der-Goldruten

[10] Monning, E. & van Dieken, D. (2024). Goldrute: Schmuckstück oder Neophyt? Mein schöner Garten. https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/ziergaerten/goldrute-schmuckstueck-oder-neophyt-1746


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