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Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Attraktive Zierpflanze, wertvolle Bienenweide und einer der häufigsten Neophyten Mitteleuropas, mit langer Geschichte und großem Problempotenzial.

Die Kanadische Goldrute ist eine mehrjährige Staude aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) und stammt, wie ihr Name bereits vermuten lässt, ursprünglich aus Nordamerika. In Mitteleuropa ist sie mittlerweile eine der am weitesten verbreiteten gebietsfremden Pflanzenarten. Sie bildet dichte Dominanz-Bestände auf offenen und gestörten Flächen (z.B. Brachen, Straßenbanketten und Bahntrassen), breitet sich aber auch in für den Naturschutz relevanten geschützten Lebensräumen wie Feuchtwiesen oder Magerrasen aus und kann dort zur Verdrängung der heimischen Vegetation und seltenen Tier- und Pflanzenarten führen. Aufgrund dieser Problematik wird sie in Deutschland, Österreich und der Schweiz als invasive Problempflanze betrachtet und an entscheidenden Stellen bekämpft.


Bereits im Jahr 1645 wurde die Art als Zierpflanze nach Großbritannien eingeführt und kam über botanische Gärten und herrschaftliche Sammlungen nach Mitteleuropa, wo sie seit Mitte des 19. Jahrhunderts verwildert. Kultursorten sind auch heute noch in einigen Privatgärten und Blumenrabatten zu finden und wurden lange Zeit von Imkern gerne als Bienenweide gepflanzt [1].



» bis zu 20.000 Samen pro Blütenstand «



Die Kanadische Goldrute ist eine mehrjährige Staude und ein Pionier auf offenen und gestörten Flächen. Wie bei allen Korbblütlern sind die Blüten in Körben zusammengefasst, die auf den ersten Blick wie einzelne Blüten erscheinen. Die Goldrute bildet auf bis zu über zwei Meter hohen unverzweigten Trieben eine große Anzahl sehr kleiner Körbe mit gelben Blüten. Im Spätherbst reifen bis zu 20.000 Samen pro Blütenstand, welche mit dem Wind weit verbreitet werden und auf offenem Boden sehr schnell keimen. Zudem kann die Goldrute durch effektive vegetative Vermehrung (unterirdische Ausläufer) große und dichte Bestände bilden [2].

Blühende Körbe der Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
Blühende Körbe der Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)

Durch ihre große ökologische Anpassungsfähigkeit, von Feuchtflächen bis zu Trockenrasen, besiedelt die Kanadische Goldrute neben gestörten Brachflächen und Straßenrändern auch seltene und besonders schützenswerte Lebensräume mit eng an diese Flächen angepassten Pflanzen- und Tierarten. Rückzugsräume für die heute selten gewordene Ackerbegleitflora (bzw. Segetalflora von lat. Segetalis = "zur Saat gehörig") zwischen intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen können ebenfalls besiedelt werden und den Biodiversitätsverlust in der Kulturlandschaft weiter verstärken [3]. Durch ihre sehr hohe Konkurrenzkraft verdrängt die Goldrute heimische Vegetation und schafft durch ihre Ausläufer große langjährig bestehende Bestände.

Die reifen Früchte der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) werden mit dem Wind verbreitet
Die reifen Früchte der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) werden mit dem Wind verbreitet

Auch wenn einzelne Stimmen aus Gartenbau und Imkerkreisen den hohen Zierwert und wirtschaftlichen Nutzen der Goldrute weiterhin preisen, so kann von der gezielten weiteren Verbreitung der Art aus ökologischer Sicht nur abgeraten werden. In den Blogs großer Online-Pflanzenhändler wird immer noch für die wertvolle Gartenpflanze geworben und in Bezug auf die negativen Auswirkungen invasiver Arten von einem Grundlagenirrtum gesprochen [4]. Auch die Nutzung von zahmen Kultursorten denen eine geringere Ausbreitungskraft zugeschrieben wird kommt mit einem unberechenbaren Risiko [5].


Eine passende Alternative für den naturnahen Garten bietet Beispielsweise die Echte Goldrute (Solidago virgaurea). Der ebenfalls heimische Rainfarn (Tanacetum vulgare) ist zwar für den Menschen leicht giftig, bietet aber einer Vielzahl an Tagfaltern und anderen Insektenarten Futter und zeigt zur selben Zeit wie die Goldrute seine gelben Blütenkörbe.


Viele Neophyten führen zu keinen bekannten Problemen und fügen sich oftmals problemlos in das Gefüge heimischer Ökosysteme ein beziehungsweise breiten sich gar nicht über urbane Gebiete und Kulturlandschaft hinaus aus. Ob das Festhalten an bekanntermaßen problematischen Arten aber angesichts der großen ökologischen Herausforderungen unserer Zeit und dem fortschreitenden Klimawandel sinnvoll ist, bleibt fraglich.



[1] Weber, E. (2013). Invasive Pflanzen der Schweiz: erkennen und bekämpfen (1. Aufl.). Bern: Haupt, S. 66-71.

[2] Pagitz, K. & Moling, M. (2020). Strategie für Tirol im Umgang mit gebietsfremden Pflanzenarten (Neophyten). Online verfügbar unter https://www.tirol.gv.at/meldungen/meldung/neophytenstrategie-des-landes-tirol/

[3] Bayerisches Landesamt für Umwelt (LfU) (2022). Ackerwildkräuter Gefährdung und Schutz. Infoblatt. 15 S. Online verfügbar unter https://www.lfu.bayern.de/publikationen/get_pdf.htm?art_nr=lfu_nat_00425

[4] Reber, S. (o.J.). Die Goldrute als wertvolle Gartenpflanze - Ein Lob auf die fast verbotenen Goldruten. Lubera Gartenbuch. Online verfügbar unter https://www.lubera.com/at/gartenbuch/ein-lob-auf-die-goldruten-p1976#Die-Verteufelung-der-Goldruten

[5] Monning, E. & van Dieken, D. (2024). Goldrute: Schmuckstück oder Neophyt? Mein schöner Garten. https://www.mein-schoener-garten.de/gartenpraxis/ziergaerten/goldrute-schmuckstueck-oder-neophyt-1746

 
 
 

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