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Indische Scheinerdbeere (Potentilla indica) – Achtung, das ist keine Erdbeere!

5. Mai
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Aug.

Auf den ersten Blick sehen ihre Früchte wie kleine Erdbeeren aus, lassen sich leicht mit den heimischen Walderbeeren verwechseln und auch ihre dreizähligen Blätter sprechen eindeutig die Sprache der Erdbeere. Beim Probieren hingegen findet schnell Ernüchterung statt, denn diese Erdbeere bietet weder Erdbeeraroma noch Süße.

rote erdbeeraehnliche Frucht und dreiteilige Blaetter der Indischen Scheinerdbeere (Potentilla indica)

Geschichte und Herkunft der Scheinerdbeere

Die Indische Scheinerdbeere (Potentilla indica) entstammt zwar, wie auch die echten Erdbeeren, ebenfalls der Familie der Rosengewächse, gehört aber zu den Fingerkräutern (Potentilla), von denen es auch einige heimische Arten gibt. Mit den wilden Wald-Erdbeeren (u.a. Fragaria vesca) oder der Garten-Erdbeere (Fragaria × ananassa) hat sie also bis auf eine entfernte Verwandtschaft nichts zu tun. Lange war die Scheinerdbeere Teil einer eigenen Gattung (Duchesnea). Diese ehrt mit ihrem Namen den französischen Botaniker und Erdbeerspezialisten Antoine Nicolas Duchesne (1747 - 1827). Von ihm stammt auch das 1766 in Paris erschienene Werk zur Naturgeschichte der Erdbeeren (frz. Histoire naturelle des fraisiers) [1]. Inzwischen zählt man alle Duchesnea-Arten mit zu den Fingerkräutern.


Der französische Botaniker und Erdbeerspezialist Antoine Nicolas Duchesne (1747 - 1827)
Der französische Botaniker und Erdbeerspezialist Antoine Nicolas Duchesne (1747 - 1827)

Nach Europa kam die Indische Scheinerdbeere Anfang des 20. Jahrhunderts als Zierpflanze. Sie ist, wie der Name es vermuten lässt, in Asien beheimatet und kommt von Afghanistan über Indien bis nach China und das östliche Russland vor [2]. Inzwischen wurde sie unter anderem in Europa, Nord- und Südamerika sowie Australien eingeführt. Zu finden ist das Scheinerdbeer-Fingerkraut bei uns meist in und um Siedlungen. Oftmals wächst es an Wegrändern, in Hecken und Parkanlagen und breitet sich derzeit stark aus [3].


Rote Frucht der Wald-Erdbeere (Fragaria vesca) und dreiteilige Blaetter
Frucht der Wald-Erdbeere (Fragaria vesca)

Wie erkenne ich die Scheinerdbeere?

Optisch sieht die Pflanze und auch die Frucht den Wilderdbeeren sehr ähnlich und lässt sich leicht mit ihnen verwechseln. An der Blüte, diese ist teils bis in den Winter zu beobachten, ist der Unterschied dann doch leichter zu erkennen. Die Scheinerdbeere besitzt ebenfalls fünfzählige Blüten, wie sie bei Rosengewächsen häufig vorkommen, ihre Blütenblätter strahlen aber im Gegensatz zum Weiß der echten Erdbeeren in einem satten Gelb zwischen den auffällig großen Kelchblättern hervor. Die dreizähligen Blätter sehen denen der Erdbeeren zum Verwechseln ähnlich. Die Früchte sind auffällig rund und stehen aufrecht, während die der Wilderdbeeren meist überhängen und oft eine etwas längliche Form aufweisen.


Fuenzaehlige Blueten der Indischen Scheinerdbeere (Potentilla indica)
Blüten der Indischen Scheinerdbeere (Potentilla indica)
kleine weiße Bluete der Wald-Erdbeere (Fragaria vesca)
Blüte der Wald-Erdbeere (Fragaria vesca)

Fazit

In der Biologie könnte man hier von Mimese (altgr. mimesis = „Nachahmung") sprechen. Genauso wie manche Insekten Zweigen oder Blättern zum Verwechseln ähnlich sehen oder Lebende Steine (Lithops) sich zum Schutz vor Fressfeinden farblich an das umgebende Gestein anpassen. Im strengen wissenschaftlichen Sinne handelt es sich dabei freilich nicht um Mimese – dient diese doch der Tarnung.

In diesem Fall zieht die Verwechslungswürdigkeit der Früchte die Blicke auf sich, anstatt sie abzulenken, und regt zum Verzehr und somit zur Verbreitung der Samen an, ohne den bei Früchten oft versprochenen Zucker zu liefern.


Der Art wird kein schädlicher Einfluss auf ihre Umwelt nachgesagt. Abseits der etwas enttäuschenden Verwechslung mit ihrem schmackhaften Ebenbild geht von ihr auch keine Gefahr für Mensch oder Tier aus. Man darf sich an den häufigen Anblick dieser Art in Zukunft also gewöhnen.


[1] Burkhardt, L. (2022). Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen. – Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin.

[2] POWO. (2025). Potentilla indica (Andrews) Th.Wolf. – Plants of the World Online, Royal Botanic Gardens, Kew. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:728289-1 [abgerufen am 04.05.2026].

[3] Hassler, M. & Muer, T. (2022). Flora Germanica: Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild (Bd. 1–2). – Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, S. 759.


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