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Japanische Faserbanane (Musa basjoo): Leben wir in einer Bananenrepublik?

12. Mai
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 25. Aug.

Die Japanische Faserbanane ist eine beliebte und inzwischen relativ häufige Zierpflanze, die im Gegensatz zu den meisten Bananenarten ausgesprochen frosthart ist. Warum diese Banane weder aus Japan stammt noch eine Faserpflanze ist und was ihr Vorkommen auf Deponien über die Ausbreitung invasiver Pflanzen verrät, wird in diesem Artikel beantwortet.

Bluete der Japanischen Faserbanane (Musa basjoo) an einer Bananenstaude

Geschichte und Herkunft der Faserbanane

Die Japanische Faserbanane (Musa basjoo) stammt nicht, wie der Name vermuten lässt, aus Japan, sondern wurde erst vom Menschen aus seiner wahren Heimat, dem Südlichen China und insbesondere der dortigen Region Szechuan, bekannt für den gleichnamigen Pfeffer sowie die besonders scharfe Regionalküche, nach Japan und Korea eingeführt [1].


Auch wenn der Name es nahelegt, so handelt es sich bei der Japanischen Faserbanane, die ihren wissenschaftlichen Namen der japanischen Bezeichnung für die Banane (ito-bashō) verdankt, nicht um die auf den Ryūkyū-Inseln für die Herstellung von Stoffen und Papier genutzte Bananenart. Laut Untersuchungen handelt es sich dabei tatsächlich um Musa balbisiana, eine der beiden Elternarten der Dessertbanane [2].


Auch wenn die Art weder aus Japan stammt noch eine besonders wichtige Rolle als Nutzpflanze spielt, so hat sie doch eine entscheidende Eigenschaft, nämlich ihre Kälteresistenz, die sie zur beliebten Gartenpflanze macht. Nach Großbritannien und somit Europa kam die Pflanze erstmals Ende des 19. Jahrhunderts und wird seither als Zierpflanze kultiviert.


alte botanische Lithographie der Japanischen Faserbanane (Musa basjoo) in Farbe
Historische Illustration der Japanischen Faserbanane (ca. 1890)

Wie erkenne ich die Faserbanane?

Die Japanische Faserbanane gehört, wie auch die Dessertbanane (Musa × paradisiaca) – die Frucht, die in jedem Supermarkt erhältlich ist – zur Familie der Bananengewächse (Musaceae).


Die Pflanze ist eine ausdauernde Rhizomstaude, also eine mehrjährige krautige Pflanze, die aus ihrem starken Rhizom jedes Jahr neue Triebe bildet. Die Scheinstämme verleihen der Faserbanane den Eindruck eines Baumes bzw. einer Palme, sind aber weder das eine noch das andere. Die Stämme verholzen nicht, sondern setzen sich aus der Basis mehrerer Blätter zusammen [3, 4].


Die meisten Bananenarten vertragen keinen Frost und kommen ausschließlich in (sub-)tropischen Teilen der Erde vor – alle Arten der Gattung Musa stammen ursprünglich aus Südostasien. Die Japanische Faserbanane hingegen ist mit gutem Winterschutz bis in zweistellige Minusgrade frosthart und überlebt bei uns in nicht zu kalten Wintern die dunkle Jahreszeit unbeschadet.


Junge Staude der Japanischen Faserbanane (Musa basjoo) auf einer Deponieflaeche. Im Hintergrund Baumaschinen
Japanische Faserbanane (Musa basjoo) am Rande der Deponiefläche

Ausbreitung gebietsfremder Pflanzenarten durch den Menschen

Für meine Masterarbeit habe ich 14 Deponiestandorte in Vorarlberg kartiert und konnte dabei auch kleine Vorkommen der Japanischen Faserbanane nachweisen [5].


Da die Art bei uns aufgrund der kürzeren Vegetationsperiode und auch frostbedingt keine Früchte trägt bzw. diese nicht zur Reife gelangen und die Verbreitung somit ausschließlich vegetativ, also ungeschlechtlich über Wurzelausläufer, stattfindet, müssen vermehrungsfähige Pflanzenteile, in diesem Fall Rhizomstücke, mit belastetem Oberboden oder Gartenabfällen auf die Deponiefläche gelangt sein. Je nachdem, wie das Substrat weiterverwendet wird, könnten aus einer Population wieder mehrere an anderer Stelle entstehen.


Auch wenn die nur bedingt winterharte Staude sich in naher Zukunft wohl nicht in Vorarlberg und Mitteleuropa fest etablieren wird, so lässt sich die effektive Verbreitung mittels unterirdischer Pflanzenteile hier gut beobachten und ist mit größter Wahrscheinlichkeit nicht auf eine generative Verbreitung mittels Samen zurückzuführen.


Junge Stauden der Japanischen Faserbananen (Musa basjoo) auf Deponiefläche
Japanische Faserbananen (Musa basjoo) auf Deponiefläche

Fazit

Anhand dieses exotischen Beispiels lässt sich also ein wichtiger Mechanismus der Verbreitung gebietsfremder Arten anschaulich machen. Besonders in Bezug auf bekannterweise problematische Arten wie den verschiedenen Staudenknöterichen (u. a. Reynoutria japonica) oder der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) wäre ein Umdenken im Umgang mit möglicherweise belastetem Material dringend notwendig.


In einer Bananenrepublik leben wir in naher Zukunft hierzulande also sicher nicht, aber der Einfluss von Neophyten auf Mensch und Umwelt wird, insbesondere angesichts des Klimawandels, weiterhin eine wachsende Rolle spielen.


[1] POWO (2026). Musa basjoo Siebold ex Miq. – Plants of the World Online. Facilitated by the Royal Botanic Gardens, Kew. – https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:323785-2 (abgerufen am 09.05.2026).

[2] Constantine, D. R. (2008). The origin of Musa basjoo. It's not Japanese and it's not used for fibre. – The Plantsman, n.s., 7: 156–161.

[3] Gemeinholzer, B. (2018). Systematik der Pflanzen kompakt. – Springer Spektrum, Berlin.

[4] Cheers, G. (Hrsg.). (1998). Botanica. Das Abc der Pflanzen. 10.000 Arten in Text und Bild. – Könemann Verlagsgesellschaft, Köln, S. 585.

[5] Janke, L. H. (2026). Charakterisierung und Relevanz von Deponiestandorten als Ausbreitungs-Hotspots gebietsfremder Pflanzenarten am Beispiel des Landes Vorarlberg (Österreich). – inatura – Forschung online, Dornbirn, 145: 59 S.


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