Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus): Warum diese Kirsche nicht in deinen Garten gehört
Aktualisiert: 4. Sept.
Der Kirschlorbeer ist inzwischen eine der häufigsten Zierpflanzen in mitteleuropäischen Städten geworden und lacht einen aus fast jedem Garten an. Die wenigsten wissen, dass diese so beliebte Zierpflanze tatsächlich mehr Kirsche als Lorbeer ist. Die Problematik dieses so weit verbreiteten Gehölzes ist in der Öffentlichkeit ebenfalls weitestgehend unbekannt, weshalb die Pflanze von Profis und Hobbygärtnern unbekümmert weiter in jeden zweiten Garten gepflanzt wird.

Geschichte und Herkunft des Kirschlorbeers
Der Kirschlorbeer stammt ursprünglich aus Südosteuropa und Vorderasien und wächst in seinen Heimatländern meist baumförmig. Aus Konstantinopel (heute Istanbul) erhielt der berühmte Botaniker Carolus Clusius bereits 1574 eine Pflanze, die er weiter vermehrte und an verschiedene botanische Gärten Mitteleuropas weitergab [1]. Von hier verbreitete sich die Art als Ziergehölz in Europa. Bis sich erste verwilderte Bestände außerhalb von Gärten und Parks nachweisen ließen, dauerte es jedoch laut Untersuchungen mehr als 300 Jahre [2].
Wie erkenne ich den Kirschlorbeer?
Die Pontische Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus), wie der Kirschlorbeer eigentlich richtig heißt, gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae) und ist ein immergrüner Strauch, der tatsächlich, genau wie die Süß-Kirsche (Prunus avium) zu den echten Kirschen gehört. Zu dieser großen Gruppe von Obstgehölzen zählen auch die verschiedenen Pflaumenarten sowie Pfirsich und Mandel.
Die ledrigen, stark glänzenden Blätter bleiben das ganze Jahr erhalten – sie werden im Herbst nicht abgeworfen [3]. Der Kirschlorbeer kommt in wandelndem Gewand. Die knapp zwanzig bei uns kultivierten Sorten unterscheiden sich sowohl in ihrem Wuchs als auch anhand ihrer Blätter voneinander.

Ohne die Blüten haben die Sträucher tatsächlich eine gewisse Ähnlichkeit mit anderen immergrünen Gehölzen, erinnern jedoch aus der Ferne eher an Rhododendren als an den Echten Lorbeer. Die weißen Blütentrauben erscheinen bei uns meist im April. Die kleinen schwarzen Steinfrüchte hängen in Trauben an den Triebspitzen und werden gerne von verschiedenen Vogelarten und Kleinnagern gefressen.

Ist der Kirschlorbeer giftig?
Mit Ausnahme des Fleisches der Steinfrüchte enthalten besonders die Blätter und Samen giftige cyanogene Glycoside. In den Blättern ist das beim Zerreiben nach Bittermandel riechende Prunasin enthalten. Die Samen enthalten Amygdalin – ebenfalls in Bittermandeln, Kirsch- und Apfelkernen enthalten – welches wie auch Prunasin bei Aufnahme zur giftigen Blausäure umgewandelt wird. Vergiftungserscheinungen können von Kopfschmerzen und Übelkeit, in schweren Fällen auch Herzstillstand und Lähmung des Atemzentrums und somit zum Tod führen.
» Einzig das Fleisch der Steinfrüchte ist nahezu frei von Giftstoffen «
Schwere Vergiftungen sind allerdings sehr selten. Zum einen regen die bitteren Blätter nicht zum Verzehr großer Mengen an, zum anderen passieren die Samen, ähnlich wie bei Kirschkernen, meist unversehrt den Verdauungstrakt und werden problemlos ausgeschieden [4].
Einzig das Fleisch der Steinfrüchte ist nahezu frei von Giftstoffen. In der Türkei wird Karayemiş, wie der Kirschlorbeer vor Ort genannt wird, in der Küche verwendet und frisch, getrocknet oder als Marmelade gekocht, gegessen.
Warum ist der Kirschlorbeer ein Problem?
Während in den meisten Gartenblogs die Pflege und richtige Sortenauswahl diskutiert werden und in Bezug auf Probleme lediglich die Giftigkeit Erwähnung findet, fehlen Hinweise auf das ökologische Problempotenzial dieser Art weitgehend.
Im Zuge des Klimawandels ist auch in Mitteleuropa zunehmend ein Phänomen zu beobachten, welches ursprünglich besonders in subtropischen und tropischen Gebieten der Erde zu beobachten ist.
Die sogenannte Laurophyllisierung (von lat. laurus = Lorbeer und griech. phyllon = Blatt) beschreibt die Zunahme immergrüner Gehölze in einer ansonsten von Laubwerfenden, also sommergrünen, Arten geprägten Umgebung. Dichte Bestände immergrüner Arten im Unterwuchs mitteleuropäischer Wälder können die natürliche Verjüngung heimischer Gehölze erschweren und führen langfristig möglicherweise zu einem starken Wandel in der Zusammensetzung heimischer Wälder.
Diese Dynamik betrifft nicht nur Neophyten, sondern auch einige heimische Arten. Beispiele sind der Efeu oder die Europäische Stechpalme (Ilex aquifolium). Verschiedene Mahonien (z.B. Mahonia aquifolium) aber auch der Kirschlorbeer etablieren sich zunehmend im Unterwuchs von Wäldern. Im Tessin (Schweiz) wachsen bereits Hanfpalmen (Trachycarpus fortunei) in naturnahen Waldgebieten [5].

Die Verbreitung mit Vögeln (wiss. Ornithochorie) sowie die Verschleppung mit Gartenabfällen oder verlagertem Erdmaterial spielen in der Ausbreitung der Art eine besondere Rolle. Im eigenen Garten sollten die Fruchtstände ähnlich wie beim Sommerflieder (Buddleja davidii) vor der Fruchtreife abgeschnitten und entsorgt werden [6].
Heimische Alternativen zum Kirschlorbeer
Daher sollte auf heimische Alternativen zurückgegriffen werden. Zu nennen wäre die Gewöhnliche Traubenkirsche (Prunus padus, engl. bird cherry), die in Blüte und Frucht dem Kirschlorbeer stark ähnelt und gleichzeitig Nahrung für viele Vogel- und Insektenarten bietet. Auch der Gewöhnliche Liguster (Ligustrum vulgare) bietet Tieren Nahrung und wird oft als Hecke gepflanzt. Wenn Sichtschutz eine wichtige Rolle spielt, kann die immergrüne Europäische Stechpalme gepflanzt werden. Auch die Früchte der Stechpalme dienen einigen Vogelarten als Winternahrung. Die Eibe (Taxus baccata) ist, wenn auch giftig, eine gute Möglichkeit Sichtschutz zu gewährleisten. Wer sichergehen will, achtet beim Kauf auf den lateinischen Namen, denn im Handel wird häufig statt der heimischen Art die sogenannte Bastard-Eibe (Taxus × media) verkauft.
Fazit
Der Fokus auf die Giftigkeit des Kirschlorbeers übersieht die eigentliche Problematik möglicher ökologischer Konsequenzen. Viele weit verbreitete Zier- und Nutzpflanzen sind stark giftig – die Eibe ist ein prominentes Beispiel – führen aber dennoch selten zu schweren Vergiftungen. Auch wenn der Kirschlorbeer noch keine großen ökologischen Schäden anrichtet, steht die Art doch zu Recht auf vielen Listen potenziell invasiver Pflanzenarten.
Quellen:
[1] Weber, E. (2013). Invasive Pflanzen der Schweiz: erkennen und bekämpfen (1. Aufl.). – Haupt, Bern, S. 118–121.
[2] Kowarik, I. (2010). Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. 2. Aufl. – Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, S. 133.
[3] Hassler, M. & Muer, T. (2022). Flora Germanica: Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild (Bd. 1–2). – Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, S. 766.
[4] Hetzel, I. (2014). Prunus laurocerasus – Lorbeerkirsche, Kirschlorbeer (Rosaceae), Giftpflanze des Jahres 2013. – Jahrb. Bochumer Bot. Ver. 5: 255–262.
[5] Walther, G.-R. (2000). Laurophyllisation in Switzerland. – Diss. ETH Nr. 13561, Swiss Federal Institute of Technology Zurich (ETHZ), Zürich.
[6] Frank, D. (2018). Die Lorbeerkirsche (Prunus laurocerasus L.) – ein oft gepflanzter Zierstrauch mit invasivem Potential. – Mitt. florist. Kart. Sachsen-Anhalt (Halle) 23: 27–39.




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