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Eibe ist nicht gleich Eibe – was in unseren Parks und Gärten wirklich wächst

Wenn Eiben bei uns selten sind und zu den geschützten Baumarten zählen, sollte es dann nicht sinnvoll sein, mehr von diesen schönen Bäumen zu pflanzen?



Die Europäische Eibe ist durch tausende Jahre menschlicher Nutzung ein eher seltener Baum geworden. Das wirkt im ersten Moment kontraintuitiv, sind die Parks und Gärten unserer Städte doch gefüllt mit Eiben. Sie sehen der heimischen Art zwar täuschend ähnlich, es handelt sich bei ihnen aber fast ausschließlich um Exemplare der Bastard-Eibe, einer Kreuzung aus Europäischer und Japanischer Eibe. Auch außerhalb von Siedlungen und im natürlichen Verbreitungsgebiet der heimischen Art breitet sich die Hybride zunehmend aus. 


Die Bastard-Eibe (Taxus × media), im Handel meist Becher-Eibe genannt, ist eine Kreuzung aus der heimischen Europäischen Eibe (T. baccata) und der aus Ostasien stammenden Japanischen Eibe (T. cuspidata). Entstanden ist diese Kreuzung um 1900 in Massachusetts (USA) und hat sich seither zu einer weit verbreiteten und beliebten Zierpflanze in Parks und Gärten entwickelt [1].


Die Bastard-Eibe bietet ebenso wie die heimische Art als immergrüner Nadelbaum einen guten Sichtschutz und wird daher gerne als Hecke gepflanzt. Sehr häufig im Gartenfachhandel anzutreffen sind unter anderem die kompakt und aufrecht wachsenden Sorten „Hicksii“ und „Hillii“, wobei letztere keine „Früchte“ trägt.


Nadeln der Bastard-Eibe (Taxus × media)
Nadeln der Bastard-Eibe (Taxus × media)

Viele der im Gartenhandel verkauften Sorten unterscheiden sich bereits äußerlich durch ihren kompakten und aufrechten Wuchs von der heimischen Art, welche als oft mehrstämmiger Baum in Bergwäldern vorkommt. Neben der Wuchsform gibt es auch Unterschiede bei den Nadeln der Bastard-Eibe. Diese laufen bei der heimischen Art weniger abrupt spitz zu. Wie bei der Europäischen Eibe sind die Nadeln an Seitenzweigen ebenfalls zweizeilig angeordnet – das bedeutet in einer Ebene gegenüberstehend. Die Bastard-Eibe hat aber an aufrechtstehenden Trieben rings um den Zweig angeordnete Nadeln. Generell kann man davon ausgehen, dass die meisten Exemplare in und um Siedlungen zu der Hybride gehören [2].

 

„50 Nadeln sollen für einen erwachsenen Menschen tödlich sein“

 

Die Pflanze ist in fast allen Teilen hochgiftig. Die in Wurzel, Holz und Nadeln enthaltenen Alkaloide können bei der Aufnahme zu Atemlähmung und Multiorganversagen führen [3]. Bereits 50 Nadeln sollen für einen erwachsenen Menschen tödlich sein [4].


Der einzige nicht giftige Teil der Pflanze ist der den stark giftigen Samen umschließende Samenmantel (Arillus). Botanisch gesehen handelt es sich hierbei nicht um eine Frucht. Wie andere nacktsamige Pflanzen, u. a. Kiefern und Fichten, bilden sie keine Früchte. Aus den weiblichen Zapfen entwickeln sich nach der Befruchtung einzelne holzige Samen.


Da die Eiben zweihäusig sind – es gibt männliche und weibliche Pflanzen – erscheinen die Samen mit ihrem leuchtend roten Samenmantel nur auf einem Teil der anzutreffenden Pflanzen.


Nadeln der Europäischen Eibe (Taxus baccata)
Nadeln der Europäischen Eibe (Taxus baccata)

In Großbritannien wird zum Teil eine Marmelade (Yew jam) aus den roten Samenmänteln gekocht. Ob diese fad-süße und äußerst klebrige Marmelade die Vergiftungsgefahr wert ist, lässt sich allerdings bezweifeln.


Roh kann der Verzehr des Arillus allerdings einen gewissen Reiz haben. Mit äußerster Vorsicht ist dabei darauf zu achten nicht auf den hochgiftigen Samen zu beißen oder diesen zu verschlucken. Grundsätzlich ist das Essen der „Eibenfrüchte“ aber aufgrund der giftigen Samen nicht zu empfehlen.


Eiben zeichnen sich durch ein sehr langes Leben aus und können bei uns ein Alter von über 1000 Jahren erreichen. Einige der ältesten Bäume in Deutschland, z. B. die Ureibe bei Steibis im Oberallgäu [5, 6] oder die Humboldt-Eibe im Harz, sind Eiben. Auch in Österreich zählt eine Klostereibe zu den ältesten Bäumen des Landes [7]. Der wohl älteste Baum Europas ist ebenfalls eine Eibe und steht in der schottischen Stadt Fortingall. Er ist vermutlich 2000 Jahre alt [8].


Aufgrund des guten Holzes, welches zu den härtesten und zugleich biegsamsten heimischen Hölzern zählt, wurde die Eibe in den vergangenen Jahrhunderten sehr gerne für die Herstellung von Bögen und Armbrüsten genutzt [9].


Als im Herbst 1991 am Tisenjoch in Südtirol der sogenannte „Ötzi“ entdeckt wurde, fanden sich unter seiner Ausrüstung ein Kupferbeil mit Holzschaft sowie ein Bogen aus Eibenholz.


Neben der Nutzung für Werkzeuge und Waffen erfreute sich die Eibe auch in herrschaftlichen Renaissance- und Barockgärten großer Beliebtheit. Hier begann der bis heute anhaltende Trend, die gut schnittverträgliche Europäische Eibe für Hecken und Formschnitte zu verwenden.


Eibenhecke (Taxus baccata)
Eibenhecke (Taxus baccata)

Die lange Zeit der Übernutzung haben die Eibe in freier Wildbahn zu einem seltenen Anblick gemacht. In Deutschland und Österreich steht die Art auf der Vorwarnliste. Die Art ist zwar nicht akut gefährdet, aber die Tendenz geht in Richtung einer Abnahme der Populationen.


In Gärten und Parks wird die Art häufig gepflanzt, wobei die meisten Vorkommen im Siedlungsbereich und seiner Umgebung wohl der Bastard-Eibe zuzurechnen sind. Diese sind mittlerweile auch im natürlichen Verbreitungsgebiet der Europäischen Eibe immer häufiger anzutreffen.


Ob die Hybride einen verdrängenden Einfluss auf die heimischen Eibenvorkommen hat, ist noch nicht abschließend geklärt.


Nadeln der Japanischen Kopfeibe (Cephalotaxus harringtonia)
Nadeln der Japanischen Kopfeibe (Cephalotaxus harringtonia)

Da die heimische Art sich schwer von der Hybride unterscheiden lässt, ist beim Kauf für den eigenen Garten und die Landschafts- und Stadtplanung wichtig, auf die genaue Bezeichnung der verkauften Pflanzen zu achten. Neben der Bastard- bzw. Becher-Eibe, oft einfach als Taxus media bezeichnet, und Sorten der heimischen Art, werden auch Pflanzen verkauft die zwar die Eibe im deutschen Namen tragen und ihnen auch ähnlichsehen, aber eine weiter entfernte Verwandtschaft zu diesen aufweisen. Ein Beispiel dafür ist die Japanische Kopfeibe (Cephalotaxus harringtonia).


Am sichersten ist man mit Pflanzen, die ausdrücklich als Taxus baccata – ohne Zusatz einer Zuchtsorte – angeboten werden. Wer dennoch eine ebenso wie die Bastard-Eibe säulenförmig aufrecht wachsende Pflanze wünscht, greift alternativ auf Sorten der heimischen Art zurück.



[1] Mitchell, A. (1979). Die Wald- und Parkbäume Europas: Ein Bestimmungsbuch für Dendrologen und Naturfreunde. Übersetzt und bearbeitet von Gerd Krüssmann. 2. Auflage. – Verlag Paul Parey, Hamburg/Berlin, S. 55–56.

[2] Hassler, M. & Muer, T. (2022). Flora Germanica: Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild (Bd. 1–2, insgesamt 1712 S.). – Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, S. 149.

[3] DocCheck Medical Services GmbH. (2016). Europäische Eibe. – DocCheck Flexikon. Abgerufen am 2. Juni 2026 von https://flexikon.doccheck.com/de/Europäische_Eibe

[4] Bezirksamt Wandsbek, Botanischer Sondergarten Hamburg. (o. J.). Giftpflanze des Jahres 2011: Eibe. – Freie und Hansestadt Hamburg. Abgerufen am 2. Juni 2026 von https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/bezirke/wandsbek/themen/umwelt-natur-und-klimaschutz/botanischer-sondergarten/giftpflanze-des-jahres/eibe-80394

[5] Süddeutsche Zeitung. (2026). 1100 Jahre alt – Deutschlands wohl älteste Eibe steht im Oberallgäu. – Süddeutsche Zeitung, München. Abgerufen am 27. Mai 2026 von https://www.sueddeutsche.de/bayern/oberstaufen-allgaeu-ureibe-nationalerbe-li.3466537

[6] Deutsche Dendrologische Gesellschaft e. V. (o. J.). Nationalerbe-Bäume. – Deutsche Dendrologische Gesellschaft e. V., Ahrensburg. Abgerufen am 27. Mai 2026 von https://ddg-web.de/nationalerbe-baeume.html

[7] Monumental Trees. (2015). Europäische Eibe im Stiftspark Wilhering, Wilhering, Oberösterreich, Österreich. – Monumental Trees. Abgerufen am 2. Juni 2026 von https://www.monumentaltrees.com/de/aut/oberosterreich/linzland/11959_stiftsparkwilhering/23294/

[8] Gillespie, F. (2019). The Fortingall Yew – Europe's Oldest Living Tree? – Fortingall Graveyard, Church, Yew Tree and History. Abgerufen am 27. Mai 2026 von https://fortingall-graveyard.org.uk/yew-tree/

[9] Düll, R. & Kutzelnigg, H. (1992). Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch: das Wichtigste zur Biologie bekannter heimischer Pflanzen. 4., überarbeitete und erweiterte Auflage. – Quelle & Meyer Verlag, Heidelberg/Wiesbaden, S. 436–437.

 

 
 
 

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