Engelstrompete (Brugmansia) – Giftige Schönheit!
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Engelstrompeten sind beeindruckende Zier- und Giftpflanzen aus der Familie der Nachtschattengewächse. Ursprünglich stammen sie aus Südamerika werden aber aufgrund ihrer spektakulären Blütenpracht weltweit als Zierpflanzen geschätzt. Das in ihnen enthaltene hochgiftige Scopolamin ist ein berüchtigter psychoaktiver Stoff mit langer Geschichte des kulturellen Gebrauchs.

Herkunft und Geschichte der Engelstrompeten
Die Engelstrompeten (Brugmansia spp.), manchmal auch dank ihrer Ähnlichkeit zu den gleichnamigen Krautpflanzen Baum-Stechäpfel (vgl. Gemeiner Stechapfel, Datura stramonium) genannt und früher daher oft zur Gattung Datura (den Stechäpfeln) gezählt, werden heute einer eigenen Gattung zugerechnet.
Der Gattungsname Brugmansia ehrt den niederländischen Arzt und Botaniker Sebald Justinus Brugmans (1763–1819) [1]. Er war ab 1786 Professor für Botanik in der Universitätsstadt Leiden in der heutigen Provinz Zuid-Holland im Westen des Landes. Hier steht einer der ältesten botanischen Gärten der Niederlande, der 1590 gegründete Hortus Botanicus.
Alle Arten der Gattung Brugmansia stammen aus den Tropen der Neuen Welt (Neotropis) und waren auf dem südamerikanischen Kontinent ursprünglich weit verbreitet. In der Wildnis kommen die Engelstrompeten inzwischen aber nicht mehr vor, sondern sind alle eng an menschliche Siedlungen gebunden. Die Artenzahlen variieren, liegen aber nach aktuellen Erkenntnissen im höheren einstelligen Bereich [2, 3].

Beschreibung der Engelstrompeten
Die Engelstrompeten sind oft strauchförmig wachsende kleine Bäume und gehören, wie auch Gemeiner Stechapfel oder Tollkirsche (Atropa belladonna), zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae).
Sie wachsen vor allem in den Nebelwäldern Südamerikas – sehr artenreichen tropischen Bergregenwäldern. Ihre über fünfzehn Zentimeter langen Blüten (oft 30–40 cm) hängen kopfüber und verströmen abends ab 18.00 Uhr (Sonnenuntergang am Äquator) einen intensiven Duft (vgl. engl. Moonflower). Die großen Trompetenblüten werden von Nachtfaltern (vgl. Nachtfalterblumen) und in ihrer Heimat auch von Kolibris besucht [4].
Die Früchte sind, im Gegensatz zu den dornigen Kapseln der Stechäpfel, große fleischige Beeren – zum Verzehr sollten diese allerdings genauso wenig anregen, sind sie doch nicht minder giftig.

Bei uns wird von den sechs bis acht natürlichen Arten eine Vielzahl an Zuchtsorten und Kulturhybriden angeboten. Eine klassische Hybride ist die Weiße Engelstrompete (Brugmansia × candida), früher eine der am häufigsten kultivierten Engelstrompeten.
Die Blutfarbene Engelstrompete (Brugmansia sanguinea) verträgt mit am meisten Kälte, stammt sie doch aus Höhenlagen bis zu 3600 Metern. Diese sind in den Tropen zwar nicht vergleichbar mit ähnlichen Höhen in europäischen Gebirgen, weisen aber für tropische Verhältnisse dennoch deutlich kühlere Temperaturen auf. Die Blüten sind hier orangerot und relativ schmal – was sie von anderen Brugmansia-Arten unterscheidet [5].
Weitere kultivierte Arten sind neben den vielfältigen Hybriden unter anderem die Goldene Engelstrompete (Brugmansia aurea), die Duftende Engelstrompete (B. suaveolens) und die Bunte Engelstrompete (B. versicolor) [6].
Zu verwechseln sind die Engelstrompeten am ehesten mit den verschiedenen Datura-Arten (Stechäpfel), einige davon auch Zierpflanzen. Diese sind allerdings alle Kräuter, haben stachelige Früchte und deutlich kleinere und nicht überhängende Blüten.

Pflege der Engelstrompeten
Engelstrompeten sind hierzulande vor allem in Kübelhaltung oder in Gewächshäusern zu finden. In milden Lagen können diese gelegentlich auch im Freiland überwintert werden. Generell bevorzugen die Engelstrompeten sonnige und windgeschützte Lagen, beispielsweise eine Südwand.
Wie auch bei den Stechäpfeln haben Engelstrompeten einen hohen Wasserbedarf und bevorzugen ein nährstoffreiches und durchlässiges Substrat.
Die Vermehrung findet im Frühjahr oder Sommer über Kopfstecklinge statt [5].
Wie giftig sind Engelstrompeten?
Die Engelstrompeten sind in allen Teilen stark giftig. Auch wenn die Wirkstoffe der Engelstrompeten eine psychoaktive Wirkung haben, ist vom Versuch, die Art als Rauschmittel zu nutzen, dringend abzuraten. In der Vergangenheit ist es immer wieder zu teils tödlich verlaufenden Vergiftungen gekommen.
Das hochgiftige und psychoaktive Tropanalkaloid Scopolamin, welches bei den Engelstrompeten als Hauptwirkstoff vorherrscht, führt je nach Dosis zu Zuständen von Verwirrtheit und Halluzinationen über Übelkeit und Erbrechen bis hin zum Tod.
In westlichen Medien oft als Devil’s Breath bezeichnet und auch unter seinem spanischen Namen Burundanga bekannt, ist das Scopolamin besonders im lateinamerikanischen Raum für die Verwendung als Betäubungsmittel bei Raubüberfällen berüchtigt [7].
Auch in einigen indigenen Kulturen Südamerikas haben die verschiedenen Brugmansia-Arten lange Tradition als Ritual- und Schamanenpflanzen. So wurden beispielsweise bereits in präkolumbischen Zeiten, vor 1492, Zubereitungen aus der Blutfarbenen Engelstrompete, für die Herstellung des psychoaktiven tonga-Trankes genutzt. Auch die Weiße und Duftende Engelstrompete werden bis heute als Rauschmittel eingesetzt [8].
Fazit
Während die Engelstrompete in Europa hauptsächlich den Ruf einer außergewöhnlichen Schönheit genießt und manchmal im selben Atemzug mit einer Warnung versehen wird, ist sie über Jahrhunderte und länger in ihrer Heimat ein wichtiges kulturelles Mittel indigenen Brauchtums gewesen und wird als solches bis heute genutzt.
Engelstrompeten sind anschauliche Zeugnisse der Vielschichtigkeit pflanzlicher Schönheit und des oft so kontrastreichen Blickes verschiedener Kulturen auf dasselbe Objekt. So wandeln sich nicht nur im Laufe der Zeit, sondern auch beim Wechsel zwischen den Kontinenten, die bei ihrem Anblick entstehenden Bilder und Gefühle.
So kann Hermann Hesses Steppenwolf die gepflegte kleine Araukarie (Zimmertanne, Araucaria heterophylla) im Topf als Sinnbild kleinbürgerlicher Ordnung verstehen, während sie gleichzeitig in ihrer Heimat, der Norfolkinsel im Südpazifik, zum stattlichen Baum reift und für die Menschen vor Ort – sie ziert Flagge und Wappen der kleinen Insel – ein wichtiges Symbol der Zugehörigkeit darstellt.
Wie bei der Engelstrompete wird auch hier deutlich, wie unterschiedlich die Betrachtung einer Art durch die Linse der jeweiligen Kultur in Raum und Zeit sein kann.
Quellen:
[1] Burkhardt, L. (2022). Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen. Berlin: Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin. S. B-136.
[2] Gentry, A. H. (1993). A Field Guide to the Families and Genera of Woody Plants of Northwest South America (Colombia, Ecuador, Peru), with Supplementary Notes on Herbaceous Taxa. Washington, D.C.: Conservation International. S. 791.
[3] Plants of the World Online (POWO) (o. J.). Brugmansia Pers. Royal Botanic Gardens, Kew. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:38303-1 (Abruf: 02.09.2026)
[4] Düll, R. & Kutzelnigg, H. (2022). Die Wild- und Nutzpflanzen Deutschlands. Vorkommen – Ökologie – Verwendung. 9. Auflage. Wiebelsheim: Quelle & Meyer. S. 300.
[5] Cheers, G. (Hrsg.) (1998). Botanica. Das Abc der Pflanzen. 10.000 Arten in Text und Bild. Köln: Könemann Verlagsgesellschaft. S. 156–157.
[6] Jäger, E. J., Ebel, F., Hanelt, P. & Müller, G. K. (Hrsg.) (2007). Exkursionsflora von Deutschland, Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Berlin/Heidelberg: Springer Spektrum. S. 450.
[7] Duffy, R. (2012). Colombian Devil's Breath [Dokumentarfilm]. VICE. https://www.vice.com/en/article/colombian-devil-s-breath-1-of-2/ (Abruf: 02.09.2026)
[8] Rätsch, C. (2016). Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen. 13. Auflage. Aarau: AT Verlag. S. 94–109.




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