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Giftbeere, der Name ist Programm?

14. Mai
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 26. Aug.

Die Giftbeere (Nicandra physalodes) ist bei uns eine eher seltene Zierpflanze und kommt verwildert immer wieder auf Brachflächen und Äckern vor. Ob das aus Südamerika stammende Nachtschattengewächs wirklich so giftig ist wie der Name vermuten lässt und ob nicht vielleicht andere Eigenschaften eher problematisch sein könnten, soll in diesem Text geklärt werden.

blaue bluete und fruechte der Giftbeere (Nicandra physalodes)

Geschichte und Herkunft der Giftbeere

Die Giftbeere ist eine Art der sehr kleinen Gattung Nicandra, welche nach dem griechischen Arzt Nikander von Kolophon (ca. 195 BC - 130 BC) benannt ist. In seinem Werk 'Alexipharmaka' über Gifte und ihre Gegenmittel schrieb er bereits in der Antike zu oral aufgenommenen Giften tierischer und pflanzlicher Herkunft [1].


Der Artname physalodes bezieht sich hierbei auf die Gattung Physalis, welche zur selben Pflanzenfamilie gehört und ebenfalls Beerenfrüchte produziert, die von einer Art Lampion (die Kelchblätter) umgeben sind.


Die geflügelten Kelchblätter bilden einen Lampion um die Frucht der Giftbeere (Nicandra physalodes)
Die geflügelten Kelchblätter bilden einen "Lampion" um die Beere (Nicandra physalodes)

Die Giftbeere stammt ursprünglich aus dem westlichen Südamerika und kommt dort in tropischen Trockenwäldern von Peru bis Chile und Argentinien vor [2].

In Deutschland wird die Art seit dem 18. Jahrhundert kultiviert und nimmt derzeit durch die Verbreitung durch den Menschen und auch klimawandelbedingt zu [3, 4].

Wie erkenne ich die Giftbeere?

Wie Tomate, Kartoffel oder Paprika gehört die Giftbeere zur Familie der Nachtschattengewächse (Solanaceae). Als einjährige, spätkeimende Art verträgt sie keinerlei Frost.


Die Giftbeere hat ziemlich große (3–5 cm Ø) hellblaue trichterförmige Blüten mit weißem Grund. Die Kelchblätter sind miteinander verwachsen, am Rand geflügelt und bilden bei Fruchtreife eine Art Lampion, der die Frucht, eine Beere, umgibt. Deshalb wir sie im Gartenfachhandel auch als Blaue Lampionblume bezeichnet. Sowohl die Blätter als auch die Frucht ähneln dabei etwas der ebenfalls zu den Nachtschattengewächsen zählenden Andenbeere (Physalis peruviana).


Reife Frucht der Giftbeere (Nicandra physalodes) mit vertrocknetem Lampion
Reife Frucht der Giftbeere (Nicandra physalodes) mit Lampion
Reife Frucht der Andenbeere (Physalis peruviana) mit vertrocknetem Lampion
Reife Frucht der Andenbeere (Physalis peruviana)

Wie giftig ist die Giftbeere?

Wie der Name vermuten lässt, ist die Pflanze in allen Teilen giftig – auch wenn die von ihr ausgehende Gefahr nicht an andere bekannte Vertreter ihrer Familie wie den sehr giftigen Gewöhnlichen Stechapfel (Datura stramonium), ebenfalls ein Neophyt aus der Neuen Welt, oder der heimischen und nicht minder giftigen Tollkirsche (Atropa belladonna), heranreicht.


Auch wenn alle Pflanzenteile leicht giftig sind und daher nicht verzehrt werden dürfen, wird sie ihrem abschreckenden Namen dahingehend doch nicht ganz gerecht.

Ist die Giftbeere ein Problem für die Landwirtschaft?

Die Giftbeere kommt zusammen mit anderen Neophyten in Mais- und Kürbisäckern vor und wird durch die späte Keimung von den Herbiziden nicht immer erfasst. Zudem wirken nicht alle gängigen Herbizide auf Nachtschattengewächse [5].


Die Giftbeere taucht meistens spontan und kurzfristig auf Ruderalflächen auf. In Mitteleuropa ist sie bislang keine invasive Art. Ihre Fähigkeit, gemeinsam mit anderen Neophyten wie dem Gewöhnlichen Stechapfel in Ackerflächen einzudringen, sollte dennoch nicht unterschätzt werden.

Fazit

Da die Art, wie viele Neophyten, von den steigenden Temperaturen und längeren Wachstumsperioden profitiert, ist abzuwarten, ob sie in Zukunft eine größere Rolle in Mitteleuropa spielen wird. Als Problemart kann man sie bislang aber sicher nicht beschreiben und darf sich in den meisten Fällen einfach an ihren schönen Blüten und Früchten erfreuen.

[1] Burkhardt, L. (2022). Eine Enzyklopädie zu eponymischen Pflanzennamen: Von Menschen & ihren Pflanzen. – Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin.

[2] Royal Botanic Gardens, Kew. (2026). Plants of the World Online: Nicandra physalodes (L.) Gaertn. – https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:816832-1 [abgerufen am 14.05.2026].

[3] Jäger, E. J., Ebel, F., Hanelt, P. & Müller, G. K. (Hrsg.). (2007). Exkursionsflora von Deutschland, Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. – Springer Spektrum, Berlin, Heidelberg, S. 449.

[4] Hassler, M. & Muer, T. (2022). Flora Germanica: Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild, Band 2. – Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher, S. 1300.

[5] Follak, S. (2008). Zum Auftreten einiger bemerkenswerter neophytischer Unkräuter in landwirtschaftlichen Kulturen. – Linzer biologische Beiträge, 40/1, S. 371–380.


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