Horn-Sauerklee (Oxalis corniculata) – Glücksklee oder Unkraut?
Der Horn-Sauerklee war früher eine beliebte Pflanze für traurige Anlässe und zierte mit seinen dichten Teppichen die Gräber der Verstorbenen. Inzwischen wird der hartnäckige Gast in heimischen Gärten bekämpft. Er ist einer der häufigsten Neophyten Mitteleuropas und wird oft über Gärtnereien und Baumschulen eingeschleppt.

Herkunft und Geschichte des Horn-Sauerklees
Der Horn-Sauerklee (Oxalis corniculata), auch Gehörnter Sauerklee genannt, ist eine kleine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Sauerkleegewächse (Oxalidaceae).
Die genaue Herkunft des Horn-Sauerklees ist nicht ganz klar, vermutlich kommt dieser aber ursprünglich aus dem Mittelmeergebiet oder Asien [1, 2, 3]. Inzwischen ist die Art weltweit verbreitet. Teils wird sie als einheimische (indigene) Art betrachtet, da sie als Archäophyt, also alteingewanderte Art (Einführung vor 1492), gilt und diese Gruppe oftmals zu den heimischen Arten gezählt wird [4, 5].
Der Horn-Sauerklee wird über den Gartenhandel weiterhin fortlaufend eingeschleppt. Er ist in Mitteleuropa weit verbreitet und einer der häufigsten Neophyten. In den letzten Jahren nimmt seine Verbreitung weiterhin zu.

Wie erkenne ich den Horn-Sauerklee?
Der Horn-Sauerklee ist durch die kräftigen Farbstoffe (Anthocyane, u. a. in Blaubeeren und Rotkohl enthalten) seiner braunroten Blätter nicht zu übersehen. Die Blätter sind dreizählig, mit tief ausgerandeten herzförmigen Teilblättern, und ähneln denen des Klees (Trifolium). Die Blütenblätter sind von einem strahlenden Gelb, fünf an der Zahl, mit einem deutlichen roten Ring im Schlund der Blüte. Die aufrecht stehenden Kapselfrüchte sind kurz behaart und geben der Art, da sie an spitze Hörner erinnern, ihren Namen.
Der Gehörnte Sauerklee wächst bodennah, kriechend und an den Knoten wurzelnd, wodurch er dichte Polster bildet [1].
Da er oft in Pflasterfugen vorkommt, ist er Teil der sogenannten Trittpflanzengesellschaften, deren Pflanzen aufgrund verschiedener Anpassungen (u. a. Trockenheitstoleranz, Unempfindlichkeit gegen Tritt) die Möglichkeit haben, an besonders belasteten Orten zu wachsen. Hierzu zählen unter anderem der Vogelknöterich, der Breit-Wegerich oder die ebenfalls neophytische Strahlenlose Kamille (Matricaria discoidea).
Zu finden ist der Horn-Sauerklee zudem besonders in Gärten und aus diesen kaum zu entfernen. Die ehemals beliebte Grabpflanze ist bis heute auf vielen Friedhöfen anzutreffen.

Verwechslungsgefahr mit anderen Pflanzenarten
Der Wald-Sauerklee (Oxalis acetosella) ist die einzige wirklich heimische Sauerkleeart. Ihre hellgrünen Blätter und weißen, dunkel geäderten Blüten machen eine Unterscheidung vom Horn-Sauerklee leicht. Außerdem ist der Wald-Sauerklee, wie es sein Name bereits verrät, ein Bewohner frischer und bodensaurer Wälder.
Der Horn-Sauerklee kommt in einer weiteren Varietät (var. corniculata) vor. Diese ist allerdings deutlich seltener. Sie kann, da sie nicht die markant gefärbten Blätter von var. atropurpurea – der in diesem Artikel besprochenen Form – besitzt, mit anderen Sauerklee-Arten (alle Neophyten) verwechselt werden.
Die drei weiteren zurzeit aufgrund des Klimawandels zunehmenden Sauerkleearten (Aufrechter, Europäischer und Dillen-Sauerklee) wachsen mehr oder weniger aufrecht, haben ebenfalls gelbe Blüten (ohne den markanten roten Ring) und allesamt hellgrüne Blätter [1].
Zudem werden weitere Sauerkleearten als Zierpflanzen kultiviert. Diese lassen sich aber aufgrund der deutlich größeren und meist rötlich oder weiß gefärbten Blüten leicht von denen des Horn-Sauerklees unterscheiden.
Zu einer ganz anderen Familie, nämlich den Hülsenfrüchtlern bzw. Leguminosen (Fabaceae), zählen die echten Klee-Arten (Trifolium). Diese lassen sich aufgrund ihrer zusammengesetzten Blütenstände nicht mit dem Horn-Sauerklee verwechseln.
Horn-Sauerklee als Bodendecker?
Was den Horn-Sauerklee bei vielen so unbeliebt macht – kriechender, ausdauernder Wuchs und schnelle Ausbreitung – macht die Art zu einem guten Bodendecker. Dank seiner bodendeckenden Eigenschaft und den rötlichen Blättern war er deshalb früher eine beliebte Zierpflanze. Besonders auf Friedhöfen und allerlei Mauerwerk und anderen kargen Standorten war der anspruchslose Sauerklee sehr beliebt.

Ist Horn-Sauerklee giftig?
Grundsätzlich können alle bei uns vorkommenden Sauerklee-Arten, auch der heimische Wald-Sauerklee, als leicht giftig betrachtet werden. Sie enthalten Oxalsäure bzw. deren Salze (Oxalate), auch Kleesäure genannt, die ihnen den angenehm säuerlichen Geschmack verleiht und in kleinen Mengen unproblematisch, in größeren aber ungesund ist (vgl. Sauerampfer, Rumex acetosa).
Die ebenfalls in Rhabarber oder Spinat enthaltenen Oxalate können durch die Bindung mit Calcium zur Bildung von Harnsteinen führen. Außerdem bindet die Oxalsäure verschiedene andere Mineralstoffe. So kann beispielsweise bei einer Eisensubstitution die Aufnahme des Eisens im Körper erschwert werden [6, 7].
Ist Horn-Sauerklee invasiv?
Aus ökologischer Sicht ist der Horn-Sauerklee keine invasive Art. Er ist zwar ein etablierter und weit verbreiteter Neophyt, birgt aber keine drastischen Probleme für die menschliche Gesundheit, Wirtschaft oder Ökologie, wie zum Beispiel die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) oder neuerdings die Amerikanische Kermesbeere (Phytolacca americana). Beide Arten sind ehemals Zier-, heute Problempflanzen.
Auch wenn er aus fachlicher Sicht keine invasive Art ist, so ist der Horn-Sauerklee bei Gartenfreunden als hartnäckiges Unkraut verschrien.
Auch heimische Arten können aufgrund ihres teils dominanten Aufkommens mit sehr dichten Beständen invasiv wirken und natürlich ebenfalls zu Konflikten im Garten oder der Landwirtschaft führen, sind von wissenschaftlicher Seite her aber nicht als invasiv zu betrachten.
Fazit
Vielfach wird der ehemals als Zierpflanze genutzte und inzwischen als lästiges Unkraut verschriene Horn-Sauerklee in Gärtnerkreisen besprochen und über mögliche Bekämpfungswege diskutiert.
So wenig ihn ein Gartenbesitzer wohl schätzen mag – ihn vollends aus heimischen Grünflächen zu entfernen, wird wohl kaum möglich sein. Warum sich nicht mit ihm anfreunden?
Sein enger Verwandter, der Glücksklee (Oxalis tetraphylla), ursprünglich aus Mittelamerika, der auch bei uns hin und wieder mit Gartenabfällen in die Landschaft gelangt, verspricht uns doch auch das Glück. Vielleicht geben wir dem Horn-Sauerklee diese Chance auch und lassen uns überraschen.
Quellen:
[1] Hassler, M. & Muer, T. (2022). Flora Germanica: Alle Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands in Text und Bild (Bd. 1–2). Ubstadt-Weiher: Verlag Regionalkultur. S. 588–599.
[2] Plants of the World Online (POWO). Oxalis corniculata L. Royal Botanic Gardens, Kew. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:177893-2
[3] Griebl, N. (2020). Kosmos Naturführer – Neophyten. Alle Arten im deutschsprachigen Raum. Stuttgart: Franckh-Kosmos. S. 306.
[4] Bundesamt für Naturschutz. FloraWeb – Oxalis corniculata L., Horn-Sauerklee. Bonn: Bundesamt für Naturschutz. https://www.floraweb.de/php/artenhome.php?name-use-id=33154
[5] Info Flora. Oxalis corniculata L. Info Flora – Das nationale Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. https://www.infoflora.ch/de/flora/oxalis-corniculata.html
[6] DocCheck Flexikon. Oxalsäure. https://flexikon.doccheck.com/de/Oxalsäure
[7] AOK – Die Gesundheitskasse. Oxalsäure: Welche Lebensmittel Oxalat enthalten und was es bewirkt. https://www.aok.de/pk/magazin/ernaehrung/lebensmittel/oxalsaeure-welche-lebensmittel-oxalat-enthalten-und-was-es-bewirkt/




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