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Totes Grün, oder grüner Tod?

Thujen sind längst zum Symbol monotoner Vorstadtgärten und Parkanlagen geworden. Symptom einer verarmten Gartenkultur – der weiteren Entfremdung des Menschen von seiner Umwelt.

Müssen Pflanzen in Gärten und Parks einen Zweck erfüllen, der über den reinen Zierwert oder einen Sichtschutz hinaus geht?



Der Abendländische Lebensbaum (Thuja occidentalis) stammt, wie es der wissenschaftliche Name bereits vermuten lässt (lat. occidens = „Westen bzw. Abendland“), ursprünglich aus der Neuen Welt, genauer gesagt dem östlichen Nordamerika – Kanada bis USA – und wächst dort als bis zu dreißig Meter hoher Baum [1]. Von Kanada nach Frankreich kam die Art schon 1536 [2] und zählt mit zu den frühesten Pflanzenarten, die mit dem Menschen nach der „Entdeckung“ Amerikas, durch Christoph Kolumbus im Jahre 1492, einen Weg in die Alte Welt fanden. Besonders aus Nordamerika wurden in der Anfangszeit wenige Arten importiert [3].


Während der Lebensbaum in seiner Heimat meist baumförmig wächst, ist er in Mitteleuropa meist kleiner und wird besonders als schnittfeste Heckenpflanze genutzt. Die Thujen gehören zur Familie der Zypressengewächse (Cupressaceae) und somit zur Gruppe der nacktsamigen Pflanzen (Gymnospermen) – ihre Samenanlagen liegen frei. Zur selben Gruppe gehören unter anderem Koniferen wie Eibe oder Kiefer.

Die Zweige der Thuje sind waagerecht ausgebreitet. Ihre Blätter ähneln kleinen Schuppen und sind oberseits dunkel, matt und weisen Öldrüsen auf – daher riechen sie beim Zerreiben stark aromatisch. Auf der Unterseite sind sie heller mit einer weißen Bereifung. Aufgrund der unterschiedlichen Farbe von Blatt-Ober- und -Unterseite spricht man auch von Zweifärbigkeit [4].


Zweig des Abendländischen Lebensbaumes (Thuja occidentalis) mit deutlichen Öldrüsen
Zweig des Abendländischen Lebensbaumes (Thuja occidentalis) mit deutlichen Öldrüsen

Lebensbäume sind einhäusige Pflanzen. Das bedeutet, es kommen männliche und weibliche Zapfen getrennt voneinander am selben Baum vor. Die weiblichen Zapfen stehen gedrängt an den Zweigspitzen. Im reifen Zustand sind sie gelb.

Verwechseln kann man die Art mit weiteren nahe verwandten Arten wie dem Riesen-Lebensbaum (T. plicata) oder dem Morgenländischen Lebensbaum (Platycladus orientalis). Ersterer hat auf der Unterseite weißlich gefleckte, oberseits glänzende Zweige. Letzterer hat deutlich aufrechtere und gleichfarbige Zweige. Der Abendländische Lebensbaum ist aber die häufigste Thuja in heimischen Gärten und Grünanlagen. 


Zweifarbige Zweige des Abendländischen Lebensbaumes (Thuja occidentalis)
Zweifarbige Zweige des Abendländischen Lebensbaumes (Thuja occidentalis)

Der Lebensbaum ist in allen Pflanzenteilen giftig. Das enthaltene Thujon ist Bestandteil der ätherischen Öle der Pflanze und kann bereits bei Hautkontakt zu Reizungen führen.


Thujon besitzt eine psychoaktive – also berauschende – Wirkung und kommt ebenfalls im Wermut (Artemisia absinthium) vor, welcher lange Zeit dem Absinth zugesetzt wurde und für seine Gefahren verantwortlich gemacht wird [5]. Nach langer Zeit des Verbots sind alkoholische Getränke mit niedrigem Thujongehalt inzwischen wieder frei verkäuflich.


Vergiftungen mit Thujon können, neben der Hautreizung bei äußerlichem Kontakt mit der Pflanze, bei Verzehr von Pflanzenteilen zu Reizungen der Schleimhäute und Magen-Darm-Beschwerden und auch in einigen Fällen zu Leber- und Nierenschäden führen [6]. Auch für Tiere besteht Gefahr. Bei Pferden sind bereits tödliche Fälle beim Verzehr von Grünschnitt mit Lebensbaum bekannt [7]. Deshalb sollten Gartenabfälle des Lebensbaumes auf keinen Fall einfach in der Natur oder auf landwirtschaftlichen Flächen entsorgt werden. Generell ist die illegale Entsorgung von Grünschnitt ein Problem für die Umwelt, da so viele vom Menschen kultivierte Pflanzenarten in Bereiche außerhalb der Siedlungen gelangen. Auch viele invasive Neophyten werden häufig mit Erd- oder Pflanzenmaterial verbreitet.


Morgenländischer Lebensbaum (Platycladus orientalis) mit gleichfarbigen Zweigen und weniger deutlichen Öldrüsen als die des Abendländischen Lebensbaums
Morgenländischer Lebensbaum (Platycladus orientalis) mit gleichfarbigen Zweigen und weniger deutlichen Öldrüsen als die des Abendländischen Lebensbaums

Die ersten verwilderten Lebensbäume haben sich wohl erst einige hundert Jahre nach seiner Einführung in Europa bemerkbar gemacht. Inzwischen ist der Lebensbaum auch vereinzelt wild am Rande von Siedlungen und auf Schotterflächen entlang von Flüssen anzutreffen. Eine Verdrängung heimischer Pflanzen und Tiere oder andere ökologische Schäden sind soweit nicht bekannt.


Die Art ist also nicht invasiv, bietet aber in Zeiten einer Verarmung der Natur durch zu starke Nutzung durch den Menschen und den vielen ökologisch wenig zur Verfügung stellenden Zierpflanzen wie Hortensien oder Forsythien keine gute Alternative.

Die zunehmende Versiegelung von Flächen, Ausbreitung großer artenarmer Bestände invasiver Neophyten wie der Kanadischen Goldrute und ähnlichen auf brachliegenden Flächen, sowie die industrielle Landwirtschaft drängen nicht nur die vielfältige heimische Pflanzenwelt, sondern auch die darauf angewiesenen Insekten und Tiere an den Rand.


Müssen wir Zierpflanzen also auch nach ihrem Nutzen abseits schöner Blüten oder leichter Pflege bewerten? Aus ökologischer Sicht auf jeden Fall! Auch heimische Arten können Zieren und dabei gleichzeitig der biologischen Vielfalt unserer Umgebung nutzen. Auch giftig, aber definitiv eine bessere Alternative zur Thuje wäre die Europäische Eibe oder der Liguster, wobei letzterer sommergrün ist, also im Herbst die Blätter verliert und somit als Sichtschutzhecke weniger zu gebrauchen ist, aber ebenso wie die Eibe Vögeln Nahrung bietet.



[1] POWO. (2026). Thuja occidentalis L. – Plants of the World Online, Royal Botanic Gardens, Kew. https://powo.science.kew.org/taxon/urn:lsid:ipni.org:names:263956-1. Abgerufen am 12.06.2026.

[2] Düll, R. & Kutzelnigg, H. (1992). Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch. – Quelle & Meyer, Heidelberg, S. 146.

[3] Kowarik, I. (2010). Biologische Invasionen. Neophyten und Neozoen in Mitteleuropa. – Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart, S. 61.

[4] Fischer, M. A., Oswald, K. & Adler, W. (2008). Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 3. Aufl. – Land Oberösterreich, Biologiezentrum der OÖ Landesmuseen, Linz, S. 257.

[5] Rätsch, C. (2016). Enzyklopädie der psychoaktiven Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendungen. 13. Aufl. – AT Verlag, Aarau, S. 69–72.

[6] Informationszentrale gegen Vergiftungen NRW (GIZ Bonn). (o. J.). Hecken-Thuja (Thuja occidentalis). – Universitätsklinikum Bonn. https://gizbonn.de/giftzentrale-bonn/pflanzen/hecken-thuja. Abgerufen am 12.06.2026.

[7] o. V. (2014). Pferde in Thüringen durch Grünschnitt vergiftet. – Spiegel Online, 13. Mai 2014. https://www.spiegel.de/panorama/justiz/pferde-in-thueringen-durch-gruenschnitt-vergiftet-a-968784.html. Abgerufen am 12.06.2026.

 
 
 

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